Mobirise

Auswärtsserie reißt beim Meister

Bericht von Frank Höhmann
vom 30.12.2018

Mobirise

Das 23:26 (12:11) beim Thüringer HC lässt die Frisch-Auf-Frauen erstmals ohne Punkte heimkehren.

Erfolgsfans sind Mitglieder eines Fanclubs wahrlich nicht. Sonst würden sie sich nicht auf die weite Reise zu einem Auswärtsspiel beim ungeschlagenen Tabellenführer und amtierenden Meister machen. Insofern war das Unterfangen der Göppinger Bundesliga-Handballerinnen, etwas Zählbares aus Thüringen mitzubringen, in die Kategorie aussichtslos einzustufen. Durch Verletzungen diverser Stammspielerinnen jedoch ergab sich neue Hoffnung. So musste THC-Trainer Herbert Müller gestern auch auf Saskia Lang verzichten, die sich gegen Halle-Neustadt am Meniskus verletzt hatte. Seinem Gegenüber Aleksandar Knezevic fehlte in Ana Petrinja aber auch eine Alternative im ohnehin kleinen Kader.

Müller zauberte aber eine besondere Überraschung aus dem Hut: Kerstin Wohlbold. Der Personalmisere geschuldet, stand die gebürtige Schwäbin nach ihrer Babypause viel früher als erwartet wieder auf der Platte. Ihr Mitwirken trug nicht unerheblich zum hart erkämpften 26:23 (11:12)-Sieg des THC gegen starke Göppingerinnen bei. „Sie war der Motor und ein Schlüssel zum Erfolg. Man hatte das Gefühl, sie war nie weg“, freute sich Müller über seine Antreiberin, die vier Tore warf. „Es war klar, dass es kein Spiel für Ästheten wird. In Hälfte eins war unser Angriff unterirdisch, in Hälfte zwei waren wir viel beweglicher. Deshalb geht der Sieg in Ordnung“, bilanzierte Müller. Frisch-Auf-Coach Aleksandar Knezevic sah’s ähnlich: „Wir haben nach der Niederlage gegen Buxtehude das Maximum herausgeholt. In der ersten Hälfte war unsere Abwehr gegen die sieben THC-Feldspielerinnen hellwach und wir haben es sehr toll gemacht. Nach dem Wechsel waren wir dann häufiger einen Schritt zu langsam. Trotzdem großes Lob an meine Mädels für ihre Leistung.“

Letztendlich wird man sich im Göppinger Lager über die Topleistung zum falschen Zeitpunkt ärgern. Hätte die Mannschaft am Donnerstag gegen Buxtehude so aufgetrumpft, wäre sie nicht als Verlierer vom Feld gegangen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Unterm Strich stehen zwei Niederlagen zum Abschluss eines grandiosen Jahres, wobei sich vor allem auf die Partie in der ausverkauften Halle in Bad Langensalza aufbauen lässt.

In der ersten Hälfte lagen die Gastgeberinnen nur einmal in Führung. Das war gleich beim von der deutschen Jungnationalspielerin Alicia Stolle erzielten 1:0 der Fall. Danach verschob die Göppinger Abwehr hervorragend und Branka Zec im Tor der Frisch-Auf-Frauen entnervte Thüringens zweite deutsche Rückraumshooterin Emily Bölk, der erst in der 33. Minute ihr erstes und einziges Feldtor gelang. Zec sorgte mit einem „empty goal“ für den ersten Treffer der Grün-Weißen, die nach einem weiteren Treffer ins leere Tor, von Johanna Schindler erzielt, in der siebten Minute erstmals mit zwei Toren führten (2:4).

Bis zum 6:6 in der 14. Minute blieb das Geschehen ausgeglichen. Danach folgte die beste Phase der Göppingerinnen, denen es mit drei Treffern und dank einer sehr gut aufgelegten Zec gelang, sich auf 6:9 abzusetzen. Der THC konnte zwar wieder auf ein Tor verkürzen, beim 9:12 (28.) hatte sich das Knezevic-Team aber wieder auf drei Tore davongestohlen. Die einzige Zwei-Minuten-Strafe in der gesamten Partie gegen die Frisch-Auf-Frauen nutzte der Meister, um bis zur Pause auf 11:12 zu verkürzen und in Hälfte zwei den Ausgleich herzustellen. Beim 13:12 durch Lydia Jakubisova, die in der zweiten Hälfte aufdrehte, lagen die Thüringerinnen erstmals wieder in Führung.

„Göppingen wird nicht aufgeben und bis zur Schlusssirene alles geben“, mutmaßte die verletzte Saskia Lang vollkommen richtig. So kam der THC, der den Ball nun schneller laufen ließ, um seine Halbpositionen nicht mehr so einfach festmachen zu lassen, trotzdem nicht entscheidend davon. Das von Bölk per Siebenmeter erzielte 21:18 zehn Minuten vor Schluss bedeutete noch kein Ruhekissen. Auch deshalb nicht, weil die Torschützin kurz darauf zwei Minuten aufgebrummt bekam. Und so durften die Frisch-Auf-Frauen vier Minuten vor Schluss beim Stand von 22:24 aus ihrer Sicht weiter auf die Sensation hoffen.

Nun machte sich aber die individuelle Klasse des Meisters bemerkbar. Stolle traf zum 25:22, danach wurde der Göppinger Angriff geblockt und Ina Großmann stellte mit dem 26:22 die Weichen endgültig auf Sieg. Michaela Hrbkova gelang per Siebenmeter der letzte Treffer der Begegnung, in der es viele anerkennende Worte für die Grün-Weißen gab, die nach zuvor fünf ungeschlagenen Partien in fremden Hallen die erste Auswärtsniederlage der Saison hinnehmen mussten.

Für den Fanclub hatte sich die Anreise wenigstens aus kulinarischer Sicht gelohnt, „weil man die Thüringer Rostbratwürste nirgends so gut bekommt wie hier“. Und so werden sich die Treuesten der Frisch-Auf-Frauen auch in der kommenden Saison wieder auf den Weg nach Thüringen machen. Wenn es schon keine Punkte gibt, dann wenigstens eine sehr gute Verpflegung.

So spielten sie:



Thüringer HC:

Zimmerman, Giegerich; Sazdovska, Mazzucco (1), Schmelzer (2), Stolle (5), Bölk (6/5), Großmann (2), Jakubisova (3), Redder, Huber (3/1), Wohlbold (4).

FA Göppingen:

Zec (1), Lengyel; Brugger (2), Schindler (2), Hrbkova (3/1), Blanke (4/1), Adamkova, Krhlikar, Guberinic (4/2), Kinlend (7), Bergschneider.


Schiedsrichter: Colin Hartmann/Stefan Schneider (Magdeburg/Irxleben)


Zeitstrafen: 4:2-Minuten.


Zuschauer: 1100 (ausverkauft).

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